1996-1997 An Opera

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An Opera Extremzeit Festival 1996
An Opera Extremzeit Festival 1996
An Opera Schloss Solitude 1997
An Opera Schloss Solitude 1997

Performance mit Schauspiel und Musik. Nach einem Konzept von Emmett Williams, 1959


Version I: 1996

Extremzeit - Festival für Neue Musik Dettenhausen bei Tübingen.


Version II: 1997

HMS Fluxus 21 – Festival in Fluxus-Art Rokoko-Schloss Solitude, Stuttgart.

Projekt

1959, also noch vor der eigentlichen Fluxus Zeit, schrieb Emmett Williams sein Performance-Stück „An Opera“. Ein kurzer szenischer Text, der eine Situation zwischen einem Mann und einer Frau beschreibt. Der Mann hat ein nicht wirklich nachzuvollziehendes Problem, an dem er aber schwer leidet. Er nötigt die ihm unbekannte Frau, ihm zu helfen, was sie, wenn auch zunächst wiederwillig, dann auch tut. Am Ende ist er sein Problem los, aber die Frau ist am Boden zerstört. Dieser Text ist in einer Lesung am Tisch durch zwei Sprecher in etwa 20 Minuten erzählt. Emmett Williams besteht nun auf einer zusätzlichen musikalischen Verabredung. Nach jedem Wort des Mannes erfolgt eine musikalische Aktion, ein Schlag mit einem Löffel gegen eine Tasse beispielsweise. Nach dem ersten Wort ein Schlag, nach dem zweiten Wort zwei Schläge, nach dem dritten Wort drei, und so fort. Da der Mann etwa 182 Worte spricht, vergeht immer mehr Zeit zwischen den einzelnen Worten. Gegen Ende des Stückes dauert das Aussprechen eines kurzen Satzes somit fast eine halbe Stunde. Die gesamte Performance dauert somit nicht zwanzig Minuten, sondern etwa dreieinhalb Stunden. In der genau belegten Aufführungsgeschichte von An Opera, kam es meistens bereits nach etwa anderthalb Stunden zu aggressiven Handlungen der Zuschauer gegen die Performer. Die Zeitzumutung war nicht auszuhalten.

Ich habe nun überprüfen wollen, wie dieses Konzept der Zeitzumutung auf ein heutiges Publikum wirkt, und welche formalen Möglichkeiten es gibt, ein sicherlich noch ungeduldigeres Publikum als das von 1959 zu dieser dreieinhalbstündigen Reise zu verführen. Dafür habe ich die komplette Performance über die komplette Dauer von zwei erstklassigen Schauspielern tatsächlich spielen lassen, und das einfache Verfahren des Schlagens mit dem Löffel ersetzt durch eine durchkomponierte Partitur ohne jedes erkennbare musikalische System, die von zwei Musikern mit Violine und Marimbaphon gespielt wurde.

In einer späteren Version II habe ich dieses Raum-Zeiterlebnis in das Rokokoschloss Solitude verlegt und um mehrere Ebenen ergänzt. Es fanden nun drei Aufführungen von An Opera simultan statt. Im zentralen Raum die Version mit zwei Schauspielern, wieder Jennifer Minetti und Marcus Calvin, sowie mit Emmett Williams als der Erzähler und wieder zwei Musikern, diesmal mit Clavicord und Violine. Im Raum daneben die Version, wie sie 1959 vorgesehen war, als museale Reanimation sozusagen. Hier schlug Ben Peterson zwei Holzstücke aneinander, und zwei Sprecher lasen den Text ohne Spiel. In einem weiteren Raum zeigte ich in Originallänge die Aufzeichnung der ersten Version auf einem Monitor. Gebunden wurden der kontemplative Gleichgang der drei Räume durch eine performative Störung etwa nach der Hälfte der Zeit: Eine Rokoko Sängerin und eine Schauspielerin lieferten sich ein gesanglich verbales Duell mit Argumenten, Kolleraturen und Trillerpfeifen und störten so anstelle des sehr disziplinierten Publikums die Aufführung.

In diesem Gesamtraum- und Zeiterlebnis zwischen Rokoko, Fluxus 1959, Deutschland 1997, der Begegnung von Performance, Theater und Medienwirklichkeit konnte der Zuschauer sich frei bewegen und wie in einer Zeitmaschine die unterschiedlichen Qualitäten der verschiedenen Formen überprüfen. Nach etwa 2 Stunden Dauer entschieden sich die meisten Besucher für die opulente Version im Zentrum. Gegangen ist kaum einer.

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