2005 Organisation - Büro für Desinformation
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Eine bespielte Rauminstallation
Gruppenausstellung „Rundlederwelten“ Kuratiert von Dorothea Strauss.
Martin Gropiusbau Berlin. 19.Oktober 2005 bis 8.Januar 2006
Katalog mit Text und Bild in Englisch und Deutsch
Das Projekt
Zur Ausstellung Rundlederwelten im Martin Gropius Bau in Berlin wird in einem der Ausstellungsräume ein sogenanntes Informationsbüro eingerichtet. Zentrales Element dieser bespielten künstlerischen Rauminstallation ist ein großer Schreibtisch, an dem eine sehr freundliche junge Frau sitzt. Spricht man sie an, erklärt sie, dass sie für alle planerischen und organisatorischen Fragen anlässlich der kommenden Fußballweltmeisterschaft zuständig sei. Man könne ihr jede Frage stellen und jeden Wunsch äußern, sie werde das alles weiterleiten. Eintrittskarten für ein bestimmtes Spiel? Kein Problem. Essenswünsche während des Spiels? Wird notiert. Wünsche zum Spielausgang? Geht in Planung ein. Vorschläge? Kritik? Gerne. Sie notiert sich Namen und Adresse, nimmt Visitenkarten an. Schnell wird jedoch klar, dass der absolute organisatorische Anspruch nicht erfüllt werden kann. Man ist sich nicht sicher, ob die junge Frau eine Hochstaplerin ist, schlicht überfordert, größenwahnsinnig oder aber ob sie doch einem höheren Plan folgt. Alles ist seltsam in diesem Büro. Der Schreibtisch ist zwar groß und repräsentativ, dahinter hängen schwere rote Vorhänge und die Flaggen der Organisatoren, aber es ist nur ein alter Pool-Billiard Tisch. In einem Wartebereich hängt ein wertvolles Landschaftsgemälde, auf das jedoch jemand zusätzlich Fußbälle gemalt hat. An einer anderen Wand sieht man eine Tabelle mit den Spielergebnissen der Endrunde und dem Weltmeister 2006: Deutschland. Darunter ist eine Sitzecke für Besucher eingerichtet, es gibt Nüsschen und etwas zu trinken. Aber auf dem Tischchen stapelt sich das dreckige Geschirr. Hinter dem Schreibtisch hat sich die Organisatorin eine private Ecke eingeräumt, mit Kaffeemaschine, einem kleinen Radio, Waschzeug. Ein zerknüllter Schlafsack weist darauf hin, das sie hier auch schläft. Seltsam. Und das Seltsamste: Sie blutet aus Nase und Mund. Ein Auge ist blaugeschlagen. Sie ignoriert diese Verletzungen und bleibt gutgelaunt und freundlich. Man ahnt es inzwischen: Irgendetwas haben ihre Verletzungen mit Fußball zu tun. Aber was?
Intention
Fußball ist ein sehr einfaches Spiel. Es begeistert die Menschen über alle Maßen. Eine Weltmeisterschaft ist ein gigantisches organisatorisches Unterfangen. Alle möglichen Emotionen des einzelnen Fans werden ins milliardenfache gesteigert. Die daraus entstehenden Gefahren müssen durch dieselben Organisationen, die das Weltereignis erst ermöglicht haben, mit teils rigiden Mitteln kontrolliert werden. Die Deutschen gelten als Weltmeister bei der Organisation komplexer Abläufe. Wie weit geht dieser Anspruch? Wäre die Kontrolle jeden einzelnen Fans und die genaue Kenntnis des Turnierverlaufs hier nicht von Vorteil? Wer schützt den Fußball vor den Organisatoren? Ein wesentliches Element der Installation ist die Interaktion mit dem Besucher. Der Besucher wird zum Teilnehmer der Kunstaktion. Man ist als Zuschauer einer Weltmeisterschaft Teil einer unüberschaubaren Masse und doch sehr persönlich beteiligt. Wäre es nicht schön, einen größeren Einfluss auf das Geschehen zu bekommen? Wo beginnt das, was wir Realität nennen und wo enden unsere Wünsche und Träume? Kunst kann auch ein sehr einfaches Spiel sein.
