2004 Warhol Beuys Superstars
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15 bespielte Rauminstallationen und Interaktionen im ganzen Museum unter Mitwirkung von 120 Schauspielern,
Sängern, Tänzern und Musikern.
Im Rahmen der Ausstellung Andy Warhol „Time Capsules“
Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 17. Februar 2004 Video-Dokumentation von 4 x 2:00 h
Das Projekt
Im Museum werden auf allen drei Stockwerken15 eigenständige künstlerische Rauminstallationen eingerichtet, die sich alle mit dem Thema Andy Warhol und Joseph Beuys beschäftigen. Jede dieser Installationen behandelt assoziativ ein Thema, wie etwa Kindheit, Ruhm, Künstlertum und Einsamkeit, Social Disease und Soziale Plastik, Gewalt und Tod. Der Abend wird von etwa 100 Akteuren gestaltet. Davon wird die Mehrzahl minimalistische Aktionen und Interaktionen mit dem Publikum über das ganze Haus verteilt bestreiten. Die szenischen und performativen Elemente werden von Musikern, Sängern, Tänzern und Schauspielern geleistet. Dazu kommen etwa 500 Zuschauer, die ebenfalls als Akteure betrachtet werden, da sie im Laufe des Abends zu einem individuell festgelegten Zeitpunkt einen vorgegebenen Satz zum Thema sagen können. Diese Sätze verdichten sich im Laufe des Abends zu einem zusammenhängenden Text. Mehrere der Rauminstallationen sind interaktiv und laden zur Teilnahme ein. Der Abend beginnt mit der Ausgabe von Teilnehmernummern mit den Sätzen an das Publikum. Darauf folgt eine Aktion in der zentralen Halle, um den Beginn des Abends zu markieren. Hier wird Steven Galloway eine offene Bühne moderieren, die den ganzen Abends bespielt wird. Danach finden über das ganze Haus verteilt kleine und große Aktionen und bespielte Rauminstallationen simultan statt, die der inneren Struktur und der festgelegten Partitur des Abends folgen. Das Publikum unterliegt hier keiner Wegweisung und kann sich frei bewegen. Bindendes Element sind sich frei bewegende Akteure und Ansagen durch die Museumsanlage. Nach etwa 1,5 Stunden beginnt im On Kawara Saal auf der dritten Ebene eine zentrale Schluss-Sequenz die von Jennifer Minnetti und Irm Hermann in Form der klassischen szenischen Lesung eines fiktiven Dialogs zwischen Warhol und Beuys mit Originalzitaten bestritten wird. Hier findet auch der Schlussapplaus statt. Die beiden wohl bekanntesten Thesen der Künstler Jeder Mensch ist ein Künstler und In Zukunft wird jeder für 15 Minuten weltberühmt sein, werden wörtlich genommen. Das Publikum ist hier nicht passiver Teil des Kunstgeschehens, sondern Teil der Inszenierung. Der Besucher wird einer von Warhols Factory Superstars und Teil der Sozialen Plastik des Joseph Beuys. Erinnern wir uns.
Intention
Die beiden Ikonen der modernen Kunstgeschichte, die zu Lebzeiten oft als Gegenspieler betrachtet wurden, weisen bei näherer Betrachtung große Ähnlichkeiten in Ihrem Selbstverständnis als Künstler und in ihren Biographien auf. Andy Warhol beginnt 1949 als Graphiker den Amerikanischen Traum zu illustrieren und entdeckt sehr bald auch dessen Abgründe. Joseph Beuys versucht den europäischen Albtraum der totalen Zerstörung zu überwinden und sucht dazu nach der spirituellen Substanz des Menschen. Beide entdecken die soziale Struktur der Gesellschaft als Motor sowohl der Schöpfung als auch der Zerstörung. Sie machen diese Erkenntnis nicht nur zum Thema, sondern nutzen diese sozialen Prozesse als eigentliche Form ihrer Kunst. Sie definieren so die Wertmaßstäbe für das Kunstschaffen neu, werden bewusst zu öffentlichen Menschen und bleiben dabei dennoch sehr einsam. Als sie sich schließlich begegnen, ist es für die Kunstwelt wie das Treffen der Päpste zu Avignon. Doch die beiden Giganten stehen sich sehr nahe.
